PEACE SUMMER SCHOOL Trogen 11.-17. Juli 2026
 

RAJAGOPAL P.V.    ANURADHA SHANKAR    FELIX WIRZ      ISABELLE RECHSTEINER
Friedensaktivist               Leitung Cesci                                  politische                Schauspielerin/Theaterpädagogin
                                                                                                     Weiterbildungen

Rajagopal P.V. hat mit seiner Bewegung Ekta Parishad in jahrzehntelanger gewaltfreier Arbeit beeindruckende Erfolge bei der Umsetzung der Rechte und der Verbesserung der Lebensbe-dingungen von Millionen indischer Gruppen am Rande der Gesellschaft erzielt. Wir sehen darin einen wesentlichen Beitrag zum Frieden in der Welt.
Der prestigeträchtige und mit rund CHF 150'000 dotierte Niwano Friedenspreis 2023 ist die eindrucksvollste unter den internationalen Anerkennungen, die ihm deshalb zuteilwurden.
Die von ihm und seinen Mitarbeitern ständig weiterentwickelte Methoden, Probleme sichtbar zu machen, gemeinsam zu untersuchen und Lösungen zu ermöglichen sind einmalig. Alle an Missständen Beteiligte – Politiker, Verwaltungsbeamte, Polizei, die Betroffenen und auch die weiteste Öffentlichkeit – werden in gewaltfreiem, zähem Einsatz dazu gebracht, die Tatsachen wahrzunehmen, ihre Ursachen aufzudecken und Abhilfe zu schaffen.

Rajagopal P.V. stammt aus Südindien, Kerala. Aufgewachsen in ländlicher Umgebung, im menschlichen Umfeld der Bewegung von Mahatma Gandhi.

Rajagopal ehrt Mahatma Gandhi. (Foto Simon Williams)

Nach seiner Ausbildung zum Kathakali Tänzer beschloss er, nicht nur vor Reichen zu Tanzen, sondern sich den Anliegen der Ärmsten und Landlosen anzunehmen.

Rajagopal spricht mit Adivasis (Foto Simon Williams)


Er studierte an der Gandhi Universität Sevagram  Landwirtschaft. Durch Vermittlung von Subbha Rao, einem väterlichen Mentor und bekannten Aktivisten für den Frieden bekam er seine erste grosse Aufgabe

Während 5 Jahren lebte er mit zwei Freunden in einem einfachen Ashram am Chambal Fluss mit der Aufgabe, die dort plündernden und mordenden Räuber (Dacoits) mit friedlichen Mitteln zum Frieden zu bewegen, nachdem das indische Militär sich über Jahre vergebens bemüht hatte, diese Banditen zu bezwingen.

Meilenweit erstreckt sich die Sandhügellandschaft am Chambal Fluß (Foto Simon Williams)

Auch nachdem die Räuber Rajagopal und seine Freunde überfallen und ausgeraubt hatten ließen sie sich nicht zum Rückzug drängen. Mit Geduld und stetigem Dranbleiben bekam er über die Kinder, mit denen er spielte und die Frauen, denen er half Kontakt zu den Räubern. Schließlich gelang es ihm durch lange Gespräche und Zusicherungen der Regierung die Dacoits zum Gewaltverzicht zu bewegen.

Dieser für sein Leben gefährliche Einsatz führte schliesslich zum Erfolg, indem über 1000 Banditen vor einem Bildnis Gandhis ihre Waffen abgaben, sich zum Frieden bekehrten und bereit waren, ihre Gefängnisstrafen abzusitzen. Heute ist diese Gegend Indiens für die durchreisenden Menschen sicher, sie müssen keine Angst um ihr Hab und Gut und noch wichtiger, um ihr Leben haben

Der Chetawn Yatra zieht über die Chambal-Fluss-Bücke (Foto Simon Williams)

Nun beschloss er, seinen Wirkungsradius auszuweiten und setzte sich für Organisationen ein, die sich für die Rechte der Landlosen und Ärmsten einsetzten und konkrete, wirksame Hilfen brachten, für bessere und würdigere Lebensverhältnisse. Dabei kam es zur Gründung der Bewegung Ekta Parishad, in der sich Menschen und Gruppierungen zusammenschlossen, um sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Durch seine menschliche, wertschätzende und respektvolle Art, gelang es ihm, auch im Gespräch mit verfeindeten Gruppen zu vermitteln und ein geschätzter, lösungsorientierter Gesprächspartner zu werden. So reiste er mit seinen Mitarbeitern – Aktivisten von Ekta Parishad - in Gegenden, wo die Bevölkerung durch Landraub, Bergabbauminen von Industrie und globalen Konzernen in ihrer Lebensgrundlage existentiell bedroht waren. Nach dieser Aufgabe wandte Rajagopal sich den Belangen der Leibeigenen zu, die in voller finanzieller Abhängigkeit von ihren Besitzern schwerste Arbeit unter schwierigsten Lebensbedingungen leisten mussten ohne Aussicht, jemals frei zu kommen. Auch hier hatte Rajagopal viel Erfolg und kam durch seine Bemühungen in Kontakt mit Menschen
rechtsorganisationen aus Europa, insbesondere aus der Schweiz (Swiss Aid) und aus Frankreich (Frères des hommes). Wegen seiner erfolgreichen Tätigkeit erhielt er eine Einla-dung nach Europa und war länger in Holland. Hier bekam er auch Einblicke in den besonderen Ansatz des holländischen Strafvollzugs.

Kinder in einem Baiga Dorf bei Pandaria (Foto Jan Gassmann)

Mit friedlichen Mitteln suchte er das Gespräch mit einflussreichen Verantwortlichen, Industriellen, Bürgermeistern, Distriktleitern, Ministern. Durch Weiterentwicklung der Methoden Gandhis, wie friedliche, gewaltlose Fussmärsche mit Tausenden Menschen über mehrere Tage und weite Strecken hin oder friedliche, stille Dharnas (sit in) bis hin zu geistigen Anstrengungen, um das Bewusstsein maximal auf eine friedliche Lösung zu richten, wurden sehr besondere Erfolge für die Rechte der Landlosen zur Sicherung ihrer Lebensgrundlage erreicht.






Der Pandaria Dharna 2003 (Film von Jan Gassmann)

Nach vielen Erfolgen in den Bundesländern war es Zeit für einen neuen Schritt in den Bemühungen für die Rechte und Belange der Landlosen. 2007 kam es zu einem landesweiten friedlichen Marsch „Janadesh“ mit 25.000 Landlosen von Gwalior nach Delhi (350 km), hier waren auch internationele Teilnehmer dabei (ca 1%).

2011 beim „Samwaad Yatra“ reiste Rajagopal mit einigen seiner Aktivisten und Freunden aus aller Welt mit dem Jeep durch ganz Indien, bis in entlegenste Gegenden und Dörfer, um dort direkt von den Betroffenen ihre Sorgen, Nöte und die leidvollen Erfahrungen an zu hören und die Berichte anzunehmen.

Janadesh 2007 (Foto Barbara Schnetzler)

Diese brachte er 2012 auf dem „Jansatyagraha“ auf dem Marsch wiederum von Gwalior nach Delhi mit ca 80.000 Teilnehmern mit, um sie in die Forderungen an die Regierung mit einzubringen. Diese grossen Fussmärsche, mit den vielen friedlichen Menschen über mehrere Wochen auf der Autobahn zu Fuss gehend, zeigten Wirkung, in dem sich die Zentralregierung in Delhi auf Gespräche einliess und einige Forderungen umsetzte. Tausende Landlose erhielten ihre Landtitel und damit das Recht auf Land.

Minister Jairam Ramesh und Rajagopal unterzeichnen das 10-Punkte Abkommen ziwschen Regierung und Ekta Parishad, Agra 2012 (Foto Martin Bauer)

Durch Regierungswechsel waren nicht alle Erfolge von Dauer, weshalb die Bemühungen von Ekta Parishad intensiviert wurden. Am 3. Oktober 2018 begann ein friedlicher Marsch von Delhi nach Genf, der wegen der Massnahmen der Coronapandemie im Mai 2020 beendet werden musste.
Im Jahr 2023 erhielt Rajagopal den hoch angesehenen japanischen Niwano Friedenspreis

Im Sommer 2024 war Rajagopal zu Besuch in St. Gallen. An zwei Veranstaltungen sprach er von den Möglichkeiten, die jeder einzelne Mensch beginnen kann und die eine Auswirkung auf den weltweiten Frieden haben können. So kann man sich im Sinne Gandhis Talisman auf den Frieden abgewandelt, bei jeder Tat, die man zu tun gedenkt fragen, wie sie dem Frieden dient. Wenn Friede immer stärker und anhaltender das Bewusstsein erfüllt, kann es neben den bestehenden Verteidigungs- oder Kriegsministerien auch zur Bildung von Friedensministerien kommen, es können finanzielle Mittel nicht nur für Militärausgaben, sondern auch für Friedensbildung eingesetzt werden. Sicherlich ist es bis dahin noch ein weiter Weg aber auch dieser beginnt mit dem ersten Schritt.


Anuradha Shankar ist eine pensionierte, hohe und hochdotierte Offizierin der indischen Polizei. Als Tochter einer Familie, die ihre Wurzeln in der indischen Unabhängigkeitsbewegung hat, hat sie die Gandhischen Prinzipien von Frieden, Gerechtigkeit und Gewaltlosigkeit in ihr berufliches und persönliches Engagement eingebracht.
Sie erlangte Anerkennung als reformorientierte Beamtin, der Gerechtigkeit wichtiger war als Konformität. Ihre Führungsrolle ging über den Verwaltungsbereich hinaus, da sie sich konsequent für ethische Regierungsführung und die Stärkung demokratischer Systeme einsetzte.
Sie engagiert sich intensiv in Volksbewegungen und ist mit Ekta Parishad im Kampf für Landrechte, der globalen Friedensinitiative Jai Jagat und der Universal Solidarity Movement verbunden, wo sie junge Menschen in verantwortungsbewusstem Bürgertum betreut. Außerdem unterstützt sie junge Aktivisten, die sich für gewaltfreie
Wirtschaftssysteme und Harmonie zwischen den Gemeinschaften einsetzen.
Auf internationaler Ebene vertritt sie indische Perspektiven zu Frieden und Gerechtigkeit und hebt dabei oft die Beiträge von Frauen wie Kasturba Gandhi im Unabhängigkeitskampf hervor. Auch heute noch inspiriert sie als Denkerin, Mentorin und Fürsprecherin für einen inklusiven sozialen Wandel. Sie ist im Vorstand von Cesci.

Felix Wirz ist Geschäftsführer der Firma Politimpuls
Politimpuls unterstützt in strategie Findung, in Kampagnienbildung, in Politmanagement und Polittraining. Er wird uns über die Möglichkeit informieren, Impulse politisch aufzubereiten.

Isabelle Rechsteiner ist Schauspielerin und Theaterpädagogin. Sie bietet Theaterworkshops und achtsame Selbsterfahrung an, Einzeln- und in Gruppen. Sie wird uns unterstützen, unsere erarbeiteten Inhalte künstlerisch darzustellen.